The Roots Ark „Awake“ (Kan Ahau Records)

The Roots Ark
„Awake“
(Kan Ahau Records – 2019)

Greg Dandelot ist einer dieser Sänger, bei dem man sich gut vorstellen kann, dass er beim Singen die Augen fest zuschließt und ganz nah am Mikrofon singt. Auf dem Debütalbum dieser französischen Gruppe wird die, sowohl geistige als auch intellektuelle, Reise aus Babylon zum Mount Zion zu einer sehr persönlichen Angelegenheit.

Da zitiert der Tausendsassa und Multiinstrumentalist Dandelot, der mit dem Produzenten Roberto Sanchez auch die Regie bei den zwölf Songs führte, tatsächlich seine verrückte Oma im Rahmen einer transzendenten Versinnbildlichung des eigenen Ichs („Rebirth“), bevor er zu Themen von globaler Sprengkraft übergeht („No Peace“). In seinen Texten aber singt er über all diese Dinge aus einer stoischen Gewissheit heraus – als einer, der die Hürden des babylonischen Lebens überwunden und hinter sich gelassen hat.

The Roots Ark

Jahrelang hat er an dem Material gearbeitet und dabei ist seine Gruppe The Roots Ark zusammengewachsen, deren Mitglieder vorwiegend aus der Jazz-Szene rekrutiert worden sind. Und das hört man auch sehr wohl! Hier eine flotte Klaviermelodie, da nostalgisch schwermütige Trompete. Aber auch plötzliches Aufbäumen von euphorischer Gitarrendistorsion („Choosing“) gehören zum Repertoire der Franzosen, genauso wie die rustikale Akustikgitarre in „Crucial“.

Bei „Talk With Ya“ wird es sogar psychedelisch mit Regen-Samples. Es wird durch Verlangsamung und Beschleunigung mit Tempo gespielt und mit guten Portionen von Dub und Funk konterkariert. Der Gebrauch von rituellen Trommeln dient als spirituelle Untermalung dieses jazzigen Roots-Sounds, der in der Art einer analogen Zeitlosigkeit klingt.

In „Long Time Babylon“ wird mit einem verspielten Gitarrensoli magisch durch die Luft gewirbelt. Der Beat wird zunehmend tanzbarer in der Rocksteady-Nummer „Why You so Curt“. Oder es steigert sich alles in einen treibenden Steppers-Rhythmus der späten Siebziger – so wie ihn die Revolutionaries damals unter Anweisung von Sly Dunbar gespielt haben – bei „Remembrance“.

Lediglich zum Schluss geht diesen Franzosen offenbar die Puste aus. Zu seicht und mediokre sind die Nummern „Facing“ und „Wanna Share“ ausgefallen, um den hohen Ansprüchen des Albums gerecht zu werden. Aber bei einer Spieldauer von über einer Stunde können solche Ausrutscher schon mal passieren.

Zvjezdan Markovic

Zvjezdan Markovic

About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben.