Black Symbol „Behold“ (Sugar Shack Records)

Black Symbol
„Behold“
(Sugar Shack Records – 2018)

Das im britischen Birmingham auch eine andere verheißungsvolle Band neben den Steel Pulse am Start war, damals Anfang der Achtziger, war lange Zeit nicht bekannt oder ist irgendwann wieder in Vergessenheit geraten. Das liegt zum Teil sicherlich daran, dass Black Symbols Output bei Weitem nicht denselben Umfang hat, wie der ihrer berühmten Kollegen. Aber auch, weil sie es nie geschafft (oder gewollt) haben, im Rücken eine größere Plattenfirma zu haben, die sie dann nach vorne puschen könnte. Stattdessen gaben sich die Black Symbol ungewohnt altruistisch und haben ihrerseits lieber Andere unterstützt indem sie ihnen ihre Studioräume, Rat und Produktion zur Verfügung stellten.

Black Symbol (Quelle: Reggae Archive Records)

Man könnte aber auch diesen Umstand als eine glückliche Fügung bezeichnen. Denn dadurch, dass sie irgendwann in den frühen Achtzigern in den Hiatus übergingen, blieb ihnen die spätere dumpfe Kommerzialisierung, wie bei Steel Pulse, erspart. Das wenige Aufgenommene blieb somit unbefleckt, um dann über Jahrzehnte in der Obskurität zu versinken.

Das änderte sich schlagartig mit der Veröffentlichung der beiden „Handsworth Explosion“ Kompilationen, in denen, neben den Singles von Black Symbol, auch andere Birmingham-Acts wie Sceptre oder Benjamin Zephaniah vertreten waren. Wahrscheinlich bestärkt durch das wiederentdecke Interesse an ihnen, beschloss Fatman, die treibende Kraft hinter der Band, Sänger und Produzent in einer Person, der Geschichte von Black Symbol ein weiteres Kapitel dranzuhängen.

Fatman (Quelle: Sugar Shack Records)

Vor vier Jahren kam dann auch tatsächlich ein neues Album, nach einer dreißigjährigen Pause, mit dem Titel „Journey“ raus. Diesem folgt nun das neue Album „Behold“, das etwas moderner erscheint als sein Vorgänger. Wobei „moderner“ in diesem Fall bedeutet, dass er mehr nach Achtzigern und weniger nach Siebzigern klingt. Der Fatman scheint hier Gefallen an diesem typischen, aalglatten Synthieklängen – hier gespielt von Selwyn Brown (Steel Pulse) – gefunden zu haben, die neben einer synkopierten Gitarre und sich erhaben ausbreitenden Bläsern, den Ton angeben. So wie es beispielsweise Pablo Moses in seinem 1981 erschienen Album „Pave the Way“ tat und somit den Reggae endgültig in die Achtziger überführte.

Doch neben der Tatsache, dass der Fatman mit fortgeschrittenem Alter mittlerweile mehr wie Winston Rodney AKA Burning Spear klingt, als der selbst in späteren Jahren, verschiedene Referenzen an die Vergangenheit gibt es in dem neuen Album zuhauf. Von Fatmans autobiografischen Erinnerungen an die jamaikanische Kindheit in St. Ann, bis hin zu sozial-politischen Observationen, die in keinem guten Reggae-Album natürlich fehlen dürfen. Wobei er sich weniger spirituell und mystisch gibt, als davor. Abgesehen von der tiefgründigen “Mother of Creation”. Dafür hat er aber mit der heiteren „My Empress“ die Liebesthematik für sich entdeckt. Derweilen werden den Heptones („Mama Say“) und Culture in der A capella/Gospel Version von „Behold“, die Tribute gezollt.

Der allumfassende Sound des Albums ist voller Dynamik, aber auch großräumig aufgebaut, durch den sich eine spärliche Ästhetik durchzieht. Die Drums sind stark und abgerundet, die Bässe raumfüllend und die anderen Instrumente erklingen darin heiß und trocken. Die Black Symbol geben sich hier agil und unverbraucht. So als stünden sie erst jetzt am Anfang ihrer Karriere.

Zvjezdan Markovic

Zvjezdan Markovic

About Zvjezdan Markovic

Langjähriger Reggae Enthusiast, der in Vergangenheit für diverse Musik Portale im Ausland geschrieben hat.