Almamegretta „In Spiritus Dub“ (Echo Beach)

Almamegretta
„In Spiritus Dub“
(Echo Beach – 2018)

Unser tägliches Dub gib uns heute...

Ihr Name ist Almamegretta. Sie sind bestens vernetzt, kommen aus Italien und es gibt sie schon seit fast drei Jahrzehnten. Was nach einer dunklen Mafia-Organisation klingt, ist in Wirklichkeit eine Musik-Formation aus Neapel. Ihre vielfältigen Connections sind auch in dem neuen Werk „In Spirtus Dub“ ersichtlich. Es ist jedoch kein neues Album, sondern eine Zusammenstellung verschiedener früherer Tracks (einige davon aus dem letzten Album „Ennenne Dub“), die die ganze musikalische Bandbreite Almamegrettas verdeutlicht – den sogenannten AlmaSound.

( © GennaroT)

Neben dem Dub-Master Paolo Baldini, sind hier mit von der Partie auch noch Lee Scratch Perry, Horace Andy, Dennis Bovell und Gaudi. Allein anhand dieser Liste von Namen kann auch ihr bisheriger Werdegang nachkonstruiert werden. Den Lee Scratch Perry kennen die Italiener, angeführt von Gennaro‚ GennaroT‘ Tesone, wahrscheinlich schon seit ihrer Zusammenarbeit mit Adrian Sherwood (On U-Sound), Horace Andy vermutlich von der Kollaboration mit Massive Attack und Paolo Baldini ist seit Jahren ein treuer Wegbegleiter der Band.

Almamegrettas Musikstil ist ein Sammelsurium verschiedener Einflüsse, die von Reggae und Dub bis Electro, Rock, Jazz und italienischer Folklore reichen. Ein Mix also aus verträumten Gitarren, großflächigen Keyboards und schwungvollen Bläsern einerseits, und tiefen Bässen mit treibender Offbeat-Rhythmik anderseits. Die Grenzen werden hier verwischt und Almamegrettas Sound artet streckenweise in eine überbordende, ja fast schon typisch italienische, barockartige Stil-Dekoration aus, in der es manchmal wirklich wild zugeht. In „Dub Paper Box“ beispielsweise dominiert eine hallende, afrikanisch anmutende Diddley-Bow-Slidegitarre, getrieben von weit ausholendem Beat und schwerlastigen Bässen. Doch der größte Clou darin, sind die hymnischen Bläserarien und die epischen einheimischen Begleitgesänge, die alles wiederum auf den Kopf stellen.

Der Mix des Albums ist dabei von Effekt-Manierismen geprägt, die nichts von Zurückhaltung und Minimalismus halten. Prunkvolle, sowohl künstlich, als auch organisch klingende Effekte schmücken ihren Sound, der ganz deutlich von Adrian Sherwood inspiriert ist – in gewisser Weise kann man hier von einer Art turbogeladenen Dub Syndicate sprechen. Die, mit Lee Scratch Perry eingespielte „Music Evolution“, könnte somit, mit diesem stampfenden Beat und starken Groove, auch ganz gut aus dem Album „Time X Boom De Devil“ stammen.

Doch diese vierköpfige Mannschaft ist weitaus offener für neue Ideen. So werden in „O Dub Come‘e“ (Gaudi Trip Dub) Erinnerungen an den achtziger Italo-Disco Sound geweckt, mit charakteristischen aufpolierten Synths und glatten Gitarren. Nicht umsonst wird ihr Stil als nicht klassifizierbare Popmusik bezeichnet! Mit solchen Eigenschaften eignen sich diese Süditaliener auch hervorragend, um bei dem teutonischen Kultlabel Echo Beach die „Serious Classics“– Reihe wieder aufleben zu lassen, die genau für solche Art von Dub-basierter, nicht näher erklärbarer Musik steht.

Zvjezdan Markovic

Zvjezdan Markovic

About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben.